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Im
Oktober 1999 begann mein Studium der
Feinwerk- und
Mikrotechnik
an der
FH München. Um
mir die Sache nicht zu leicht zu machen entschloss ich mich zu einem
deutsch-französischen Studiengang mit Doppeldiplom. Dieser dauert 5
Jahre und wird (leider) nur in der Fachrichtung Produktions- und
Automatisierungstechnik angeboten.
Die
ersten zwei Semester waren hart, denn das Abitur lag schon 12
Jahre zurück, jedoch bestand ich alle Vordiplomsprüfungen und hatte
immerhin einen Schnitt von 2,5 . Ein vierwöchiger Sprachkurs in Paris
bestärkte mich in meinem Wunsch dort auch zu studieren.
Zu
Beginn des 3.Semesters kamen 14 französische Studenten und Studentinnen
von der
Ecole d'Ingénieur (EPF) nach
München um hier ihr erstes Praktikum abzuleisten. Ich konnte mein
Praktikum in der Abteilung für Akustikforschung bei der EADS in
Ottobrunn machen.
Zum
Ende des 4.Semesters waren 12 Prüfungen zu bestehen, eine Voraussetzung
für das Studium in Paris. Seitdem besteht unser Jahrgang aus 14
Franzosen und 6 Deutschen und der Zusammenhalt der Gruppe ist schon toll
!
Im
September 2001 begann unser erstes Jahr an der französischen Hochschule
in Sceaux, einem Vorort von Paris. Nach 4 bis 5 Wochen hatte ich mich
soweit an die Sprache gewöhnt daß ich auch während der Vorlesung
mitschreiben konnte. Das System ist sehr viel strenger als bei uns und
sieht viele Kurzprüfungen während des Semesters vor, außerdem wird im
Block unterrichtet, d.h. nach 5 bis 6 Wochen ist ein Fach in der Regel
abgeschlossen und wird geprüft.
Untergebracht waren wir in zwei Studentenwohnheimen, wobei die Zimmer(9m2)
leider nicht dem aus München gewohnten Standard entsprechen!!! Auch die
technische Infrastruktur ließ arg zu wünschen übrig. Dennoch ging das
Semester schnell vorbei und so sahen wir uns plötzlich mit der
schwierigen Suche nach einem Praktikumsplatz konfrontiert. Anders als
bei uns legen die französischen Firmen keinen großen Wert auf die
Ausbildung des Ingenieur-Nachwuchses.
Nach ca. 30 Bewerbungen (davon wurden nur 7 überhaupt beantwortet!) und etlichen
Telefonaten hatte ich dann einen Job in
Annecy (Haute Savoie) bei
SNR
Roulements, dem größten Kugellagerhersteller in Frankreich. Das war
perfekt, denn ich wollte raus aus der Großstadt und in die Alpen! In
einer Blitzaktion zog ich an einem Wochenende via München, wo ich die
Winterklamotten rauswarf und das Bike einpackte, nach Annecy um. Dort
hatte ich eine kleine Wohnung mit Küche und Esszimmer in einer alten
Villa, die ich mit einem jungen Franzosen teilte. Ich arbeitete in der
Entwicklungsabteilung an der Untersuchung von Reibungsverlusten in
Radkugellagern und konnte von einem sehr guten Arbeitsklima profitieren.
Zusammen mit den anderen Praktikanten war es immer sehr lustig und ich
habe viele Freunde gefunden!
Ende Juli 2002 kam ich zurück nach München um die beiden letzten
Semester des deutschen Studiums anzupacken. Dazu gehörte auch die Diplomarbeit,
die ich im
Labor für Automatisierungs-technik und Robotik (LAR) der FH
anfertigte. Das Thema war die Installation eines robotergeführten
Visionsystems zur flexiblen Lage- und Objekterkennung. Sowohl die
Prüfungen als auch die Diplomarbeit konnte ich mit vollem Erfolg
abschließen, und so wurde dann auch am 21. November die
Diplomübergabe in
München so richtig gefeiert!
Am
1. März begann ich mit meiner französischen Diplomarbeit bei der Firma
W.L. Gore & Associates in Putzbrunn, wo ich in der Produktion tätig war.
Diese Arbeit konnte ich auch sehr gut abschließen, und der Vortag in
Paris am 16.9. war der letzte Meilenstein und zugleich das Ende meines
Studiums. Jetzt bin ich auch stolzer
Träger des Titels "Ingénieur diplômé de l'EPF".
So
schnell vergingen die letzten 5 Jahre, aber sie gehören mit Sicherheit
zu den wichtigsten und schönsten meines Lebens. Ich kann jedem nur
empfehlen, ein paar Semester im Ausland zu studieren!
München, 21. September 2004
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